Nordwestdeutscher Verband für Altertumsforschung e.V.

Jahrestagung des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung e.V. in Detmold.

von Elke Treude

Der Anlass, die Tagung des Verbandes nach fast 25 Jahren erneut nach Detmold zu holen, war 2009 das Gedenken an 2000 Jahre „Schlacht im Teutoburger Wald“. Dieses Thema bot besondere Möglichkeiten und Verpflichtungen sich am Lippischen Landesmuseum Detmold mit diesem Thema auseinander zu setzen. Nach mehrjährigen intensiven Vorbereitungen, wissenschaftlichen Forschungen und konzeptionellen Entwicklungen zeigte das Lippische Landesmuseum mit enormem Erfolg die Sonderausstellung „MYTHOS. 2000 Jahre Varusschlacht“. Mit ihr besetzte das Lippische Landesmuseum ein Thema, dass in seiner Forschungsgeschichte eng mit der Region Lippe verbunden ist, dem Mythos um die Varusschlacht sowie deren Protagonisten Arminius und die Germanen. Neben der Vermittlung von Geschichte war es Ziel der Ausstellung, Anregung zu geben, sich mit den Grundlagen kultureller und nationaler Identität auseinander zu setzen und die Mechanismen der Instrumentalisierung historischer Ereignisse zu erkennen. Sie bildete eine von drei Ausstellungen in der Kooperation „IMPERIUM KONFLIKT MYTHOS. 2000 Jahre Varusschlacht“.

Vom 31.08. bis 03.09.2009 war Detmold mit der Hochschule Ostwestfalen-Lippe Tagungsort und Mittelpunkt archäologischen Austausches für rund 250 Archäologen, die im Rahmen ihrer Jahrestagung auf Einladung des Landesverbandes Lippe und des Lippischen Landesmuseums Detmold aktuelle Fragen und Entwicklungen der Archäologie in den Mittelpunkt ihrer Vorträge und Diskussionen gerückt haben. Neben der Vorstellung neuester archäologischer Forschungsprojekte wurden natürlich auch Themen rund um das Ereignis 2000 Jahre Varusschlacht in einzelnen Arbeitsgruppen verstärkt aufgegriffen.
Das Thema der drei Ausstellungen „Imperium Konflikt Mythos. 2000 Jahre Varusschlacht“ erweiterte der öffentliche Abendvortrag „Roms vergessener Feldzug. Die archäologische Entdeckung eines antiken Schlachtfeldes am Harzrand“ durch die Darstellung weiterer Facetten bei der Interpretation antiker Schlachtfelder.

In vier Sektionen tagten neben dem Nordwestdeutschen Verband für Altertumsforschung die Deutsche Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, die AG Archäologie im Museum, die AG Geschlechterforschung und die AG Spätantike und frühes Mittelalter.
Parallel trafen sich zu Gesprächen und Austausch zu aktuellen Fragen der Archäologie das Präsidium der Altertumsverbände und die Vereinigung der Deutschen HochschullehrerInnen für Archäologische Wissenschaften.

Die Kollegen und Kolleginnen diskutierten eine große Vielfalt aktueller Themen wie beispielsweise „Befund und Rekonstruktion“, „Militaria und Verteidigungsanlagen zwischen Spätantike und Frühmittelalter“ oder „Personelle Vermittlungen – neue Wege im Museum“.

In der Sektion „Allgemeine Vorträge“ standen zum einen Themen rund um die Sonderausstellung „IMPERIUM KONFLIKT MYTHOS. 2000 Jahre Varusschlacht“ im Fokus und zum anderen aktuelle Themen der regionalen Forschung, die durch thematisch passende Vorträge ergänzt wurden. Dem regionalen Forschungsprojekt Falkenburg wurde sowohl ein Vortrag als auch eine Exkursion gewidmet. Mit diesem Projekt gelingt es, eine in ihrer Struktur noch deutlich auf ihre Erbauungszeit um 1194 zurückgehende Anlage zu erforschen und vor allem in ihrer heute noch vorhandenen Substanz zu sichern. Schon die bisherigen Befunde und Funde liefern äußerst interessante Erkenntnisse zur Baugeschichte und Bedeutung der Burg im Mittelalter.

Das Tagungsthema der AG Archäologie im Museum (AiM) „Personelle Vermittlungen – Neue Wege im Museum“ griff ein Thema auf, welches eine immer stärkere Rolle im Museum spielt. Im Rahmen der Arbeitsgruppensitzung wurden u.a. folgende Projekte diskutiert: „Living History – Nur Klamauk oder sinnvolle Ergänzung der musealen Vermittlung“, „Vom Exponat zur Requisite – Museumstheater in Szene gesetzt“ und „Mit Hinkfried und Horst dem Mythos auf der Spur – das interaktive Medienprojekt ´Konfabulator 0009` zur Detmolder Sonderausstellung.

Die AG Spätantike und Frühmittelalter beschäftigte sich bei ihrem Tagungsthema „Militaria und Verteidigungsanlagen zwischen Spätantike und Frühmittelalter“ beispielsweise mit den Vortragsthemen „Militaria in privatem Ambiente: Neue Funde aus dem Trierer Stadtgebiet“, „Die spätantik befestigte villa rustica von Bodenbach“ und  „Prunksaxe: Repräsentationswaffen frühmittelalterlicher Kriegereliten“.
Einem äußerst spannenden Thema wandte sich die AG Geschlechterforschung mit ihrem Tagungsthema „Tüchtige Frauen in Wirtschaft und Militär“ zu. Am Montagnachmittag wurde allerdings zuerst noch das Thema Wirtschaft - Handel - Handwerk unter geschlechtsspezifischem Blickwinkel thematisiert. Der zweite Teil der Sitzung galt dem Thema 2000 Jahre Varusschlacht – Geschlechteraspekte der römischen Armee und der römischen Okkupation mit Vortragsthemen wie „Tüchtige Frauen in Austria Romana“, „Soldatenehen und ihre Bedeutung für den Romanisierungsprozess“ oder auch „Virtus feminarum – Zur Einbindung von Frauen in das antike Kriegsgeschehen“.

Die Deutsche Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit (DGAMN) legte den Schwerpunkt ihres Tagungsprogramms auf das Thema „Befund und Rekonstruktion“, ein Thema, dass die archäologische Arbeit in grundsätzlicher Weise prägt. Archäologische Befunde sind meist fragmentarisch und visuelle Rekonstruktionen sind notwendig für die Vermittlung in Ausstellungen. Die Detmolder Tagung bot Raum für ausführlichen Austausch, vielfältige Präsentationen und rege Diskussionen über die Frage wieweit Rekonstruktionen vertretbar sind. Das enorme Interesse spiegelt sich in den umfangreichen Vortragsbeiträgen, die von „Befund und Rekonstruktion in der historischen Bauforschung“ über „Aus 2D mach 3D Rekonstruktionsmöglichkeiten archäologisch“ bis zu „Geschichte wird gemacht – Es geht voran! 30 Jahre Vermittlung von Stadtgeschichte durch Modelle im Stadtmuseum Münster“ reichten. Abgeschlossen wurde die Sitzung der DGMN mit einem Besuch im LWL-Freilichtmuseum Detmold, bei dem Museumswissenschaftler in Themenrundgängen die Schwerpunkte auf Archäologie, Bauforschung und Wiederaufbau legten.

Den Abschluss der Jahrestagung bildeten zwei thematisch sehr unterschiedliche Exkursionen.
Exkursion A führte mit einem kleineren Interessentenkreis zu aktuellen Ausgrabungen in der Region. Gestartet wurde mit der Besichtigung der Falkenburg bei Detmold-Berlebeck (Abb.1), einer hochmittelalterlichen Territorialburg der Edelherren zur Lippe. Von dort ging es weiter nach Bielefeld. Hier finden seit einiger Zeit archäologische Untersuchungen auf der Sparrenburg statt. Von dort folgte ein Abstecher zu den im Gelände noch sichtbaren Resten eines römischen Wachturmes auf der Sparrenberger Egge, bevor es wieder zurück in die Bielefelder Innenstadt zur Welle ging. Hier gelang es den Ausgräbern ein Stück Stadtgeschichte zu erhalten und in einer innovativen Weise für die Besucher zu präsentieren. Ein fachlicher Austausch schloss die Exkursion ab.

Exkursion B führte unter großer Beteiligung der Tagungsteilnehmer zu den Sonderausstellungen IMPERIUM in Haltern am See und KONFLIKT in Kalkriese, und bot so die Möglichkeit alle drei Ausstellungen des Kooperationsprojektes zu besuchen.

Die Tagung bot mit dem umfangreichen fachlichen Angebot wie auch dem gelungenen Rahmenprogramm eine kreative Arbeitsatmosphäre. Neben dem fachlichen Austausch und den regen Diskussionen innerhalb der unterschiedlichen Sektionen und Arbeitsgruppen kam aber auch der gesellige Teil nicht zu kurz.
In entspannter Atmosphäre hatten die Tagungsteilnehmer an zwei Abenden Gelegenheit sich über die einzelnen Arbeitsgruppen und Sektionen hinaus im Gesamtplenum zu treffen die Möglichkeit zum Austausch.

Auf Einladung des Landesverbandes Lippe trafen sich die Tagungsteilnehmer am Dienstag, den 01.09.2009 zu einem Abendempfang im Lippischen Landesmuseum Detmold mit der Möglichkeit die Sonderausstellung MYTHOS außerhalb der üblichen Öffnungszeit zu besuchen.
Am darauffolgenden Mittwochabend, den 02.09.2009 wiederum hatten die Tagungsteilnehmer die Gelegenheit das LWL-Freilichtmuseum, Westfälisches Landesmuseum für Volkskunde auf Einladung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe kennenzulernen und den Abend in der dortigen Gastronomie ausklingen zu lassen.

Zur Tagung erschien ein beim Theiss-Verlag aufgelegter Band „Ausflüge zur Archäologie, Geschichte und Kultur“ der die Tradition der Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland in neuer optischer Gestalt weiterführt. Der Band  trägt den Titel:„Ostwestfalen-Lippe. Ausflugsziele zwischen Detmold, Bielefeld und Porta Westfalica“.

Für das Lippische Landesmuseum Detmold war es ein besonderes Anliegen gerade während der Laufzeit der Sonderausstellung „MYTHOS. 2000 Jahre Varusschlacht“ die Tagung des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung nach Detmold zu holen, um mit den Fachkollegen/Innen Themen rund um die Ausstellung zu diskutieren und ihnen das Museum gleichzeitig als Partner für zukünftige Kooperationen zu empfehlen.

Mit der erfolgreichen Tagung haben sich Detmold, das Museum und die Veranstalter sicherlich gut ins Gedächtnis der Kollegen und Kolleginnen aus Deutschland und darüber hinaus eingeprägt.